Was ist passiert? Die Zeitschrift Stern veröffentlichte in Heft 05/2007 einen kritischen Artikel über das Thema Rentenversicherung. Da habe ein Kunde bei der Asstel, dem Direktversicherer der Gothaer Versicherungsgruppe eine Rentenversicherung für 50.000 € gekauft. Nun würden die anfänglich versprochenen Überschüsse nicht mehr bezahlt, noch schlimmer aus der anfangs zugesagten Rente in Höhe von 336,70 € wurden inzwischen 264,50 € und die könnte noch weiter fallen. Dieser Fall wird als Aufhänger genommen um das Thema Rentenversicherung durch den Kakao zu ziehen.
Und was bekomme ich da von einem mir bekannten Maklerpool mit Hinweis auf diesen Artikel geschrieben, Zitat:
Wer auf eine Besserung des Rufes von Vermittlern wartet, wartet vergebens. Ihr Image steigern Sie nur, wenn Sie sich von “Versicherungen” distanzieren – und zwar von allem, was mit diesem Wort in Verbindung gebracht wird. Positionieren Sie sich als Anlageberater, Kapitalanlagespezialist oder Vermögensberater, Inflationsberater… – alles dürfte besser sein, als auch nur im geringsten mit Versicherungen in Verbindung gebracht zu werden.
Wenn die seriöse Presse solche Artikel schreibt, ist Hopfen und Malz verloren…
Das muss ich nun zum Anlass für einen Artikel in Diesem Forum nehmen. Ist das Selbstvertrauen und die Würde unseres Berufsstandes schon soweit gesunken, dass wir uns schon nicht mehr mit dem Begriff Versicherungen identifizieren sollen, nur weil die Zeitschrift Stern einen Artikel schreibt???
Sind alle Autos etwa Schrott nur weil irgendwo auf der Welt ein Schrottauto produziert wurde?
Was wären die Industriegesellschaft ohne Versicherungen, oder um auch mein Spezialthema anzusprechen, wie würden Sie sich ohne Krankenversicherung fühlen, oder ohne Haftpflicht-Versicherung, Hausratversicherung und die vielen anderen wichtigen Versicherungen. Nun sollen wir uns tatsächlich von diesem wichtigen Beruf distanzieren? Ich sagen ausdrücklich NEIN.
Nun möchte ich noch mal auf den Sternartikel zurück kommen. Wir haben hier zwei unterschiedliche Punkte zu behandeln:
1. Das spezielle Problem mit der Asstel: Es gibt in Deutschland einmal Direktversicherer, wie z.B die HUK oder Cosmos usw . Diese bieten wie im Falle Asstel einen vermeintlich günstigeren Beitrag oder eine vermeintlich bessere Leistung an. Die Beratung bleibt allerdings, wie man sieht, auf der Strecke. Hatte sogar in diesem Weblog vor einiger Zeit eine Anfrage, da war ein Familienvater mit Kindern bei der HUK krankenversichert, dieser hatte nicht gewusst, dass die Beiträge der Kinder arbeitgeberzuschussfähig sind. Das hatte die HUK dem Kunden nicht gesagt, hatte vermutlich auch nicht danach gefragt. Auf Grund meiner „Beratung“ hatte der Arbeitgeber, soweit ich mich noch entsinnen kann, den Zuschuss ein paar Jahre nachgezahlt.
2. Es gibt Gesellschaften die an Vermittler Provision und an Versicherungsmakler Courtage zahlen. Den Unterschied zwischen diesen beiden Berufen habe ich schon an anderer Stelle erläutert, deshalb gehe ich hier nur auf den Versicherungsmakler ein. Dieser steht in der Beratungspflicht, was hätte dies im Falle des im Stern beschriebenen Kunden bedeutet. Ich hätte erst einmal erfragen müssen was der Mandant mit den 50.000 € tun möchte, z.B wie flexibel diese angelegt werden sollen (auch eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag ist eine Anlageform). Dann die einzelnen Produkte mit Vor- und Nachteilen aufgezeigt. Spätestens an dieser Stelle würde der Mandant genau wissen auf was er sich bei der Asstel einlässt, ich möchte bezweifeln ob er diesen Vertrag dann noch unterzeichnet hätte. Der Direktversicherer hat an einer solchen Beratung naturgemäß kein Interesse, dafür ist diese auch nicht gedacht.
Was lernen wir daraus?
In unserer sozialen Marktwirtschaft hat alles seinen Preis. Augenscheinlich billige Angebote können sich später als teuer erweisen, weil der gekaufte Gegenstand nicht die gedachte Aufgabe erfüllt. Genauso ist es mit den Versicherungen und deshalb bin ich Stolz ein Versicherungsmakler zu sein, der Spezialist der sich in diesem Bereich der Versicherungen auskennt, der nicht die billigsten Produkte, sondern die geeigneten verkauft. Diese Beratung ist oft sehr erklärungsbedürftig, bis der Mandant versteht auf was ich hinaus möchte. Ich versuche dann immer mit folgendem Beispiel Verständnis zu gewinnen:
Wenn Sie eine Waschmaschine brauchen, dann wälzen Sie Tage oder Wochen Prospekte und Kataloge, gehen in X Geschäfte und erkundigen sich über alles Mögliche, wie viel Wasser und Strom verbraucht wird usw. Dann nach einer gewissen Zeit wird eine Entscheidung gefällt.
Wenn die Entscheidung für ein Produkt, was vielleicht 500 € kostet und dann 5-10 Jahr hält, schon so lange dauert, weshalb soll das mit dem wichtigsten Thema der (lebenslangen) Altersvorsorge anders sein?
Meine Aufgabe sehe ich darin, die Vielzahl der Möglichkeiten so darzustellen, dass der Mandant die Vor- und Nachteile soweit versteht, dass dieser die richtige (individuell passende) Entscheidung treffen kann und dann ein für ihn passendes Produkt bekommt, was auch immer das dann sein mag. Wenn nur noch so beraten würde, gäbe es keinen Grund mehr für solche Sternartikel.
Ich denke die Schlüsse des oben erwähnten Maklerpool sind falsch, meiner Ansicht nach wäre es besser die Makler noch besser zu Qualifizieren, um die Beratung noch weiter zu verbessern, als nur dem „Ding“ verschämt einen anderen Namen zu geben. Damit tut man dem Berufsstand des Versicherungsvermittlers insgesamt keinen Gefallen.
Auch das in diesem Jahr, wieder mal nach langen hin und her, in Kraft tretende Versicherungsvermittlergesetz wird, hoffe ich, zur Verbesserung meines Berufsstandes beitragen. Was ich an dieser Stelle zur Verbesserung meines Berufsstandes des Versicherungsmaklers tun kann werde ich auch weiterhin mit Kräften tun.
An dieser Stelle auch meine herzlichen Dank für die vielen netten Komplimente und Kommentare zur PKV Financial und damit zu meiner Arbeit als Versicherungsmakler, Danke.
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