Nun ist es geschafft, die Abgeltungssteuer wurde im Bundestag im Rahmen der Unternehmensteuerreform verabschiedet. Der Beginn ist, wie schon berichtet, für Anfang 2009 vorgesehen. Wie schon öfters in letzter Zeit wird kurz vor der Verabschiedung noch wesentliche Teile geändert, in diesem Zusammenhang habe ich vor kurzem schon über die kurzfristigen Änderungen im Rahmen der Vermittlerrichtlinie geschrieben.
So werden die Gesetze sozusagen kurz vor Toresschluss erheblich geändert. Diesmal ist der in den letzten Jahren boomende Markt für Zertifikate als Vermögensanlageprodukt betroffen. Diese Papiere kommen bei der nun beschlossenen Einführung der Abgeltungsteuer auf Veräußerungsgewinne, Dividenden und Zinserträge lediglich in den Genuss eines sehr eingeschränkten Bestandsschutzes. Die bisherige Regelung, nach der Veräußerungsgewinne steuerfrei waren, wenn diese ein Jahr gehalten wurden, soll von der Jahresmitte 2009 an nur für Zertifikate gelten, die der Anleger vor dem 14. März dieses Jahres gekauft hat.
Am 14. März wurde das Gesetz vom Bundeskabinett verabschiedet. Dieser Änderungsantrag wurde gemeinsam von den Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD eingebracht, deshalb gilt der Beschluss dieses eingeschränkten Bestandsschutzes als sicher. Im Klartext bedeutet dies für Zertifikate, die nach dem 14. März 2007 erworben und nach dem 30. Juni 2009 mit Gewinn verkauft werden wird die neue Abgeltungssteuer fällig.
Bisher ging die Zertifikatbranche davon aus, dass Zertifikate die vor dem 01.01.2009 aufgelegt wurden unter den Bestandsschutz fallen. Die Bundesregierung sah hier aber die Möglichkeit des „Gestaltungsmissbrauches“ mit Zertifikaten.
Im Bereich der Aktien oder in Investmentfonds gilt dagegen wie ursprünglich geplant, dass bis Anfang 2009 die Veräußerungsgewinne nach einem Jahr steuerfrei vereinnahmt werden können.
Dies wird in den kommenden anderthalb Jahre zu größeren Umschichtungen gerade in Investmentfonds führen. Sinn machen hier flexibel Anlageformen wie z.B. der StrategieInvest, mein Favorit.
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Ok, jede Reform kennt Gewinner und Verlierer. Die Zertifikate sind im Fall der Abgeltungssteuer eindeutig Verlierer. Wer verliert noch, wer gewinnt?
Keine Frage die Gewinner sind mal wieder die Top Verdiener. Sie zahlen nach dem 1. Januar 2009 für Ihre Zinseinkünfte rund 23% weniger Steuern.
Verlierer? Hat sich schon irgend jemand mal darüber Gedanken gemacht, was technisch hinter den Kulissen abläuft? Die Banken müssen für die Abgeltungssteuer quasi einen neuen „Stückzinsen Topf“ aufmachen – mit neuer Software, neuen Schnittstellen, damit das BUFI und die berechtigten Behörden wie z.B. Finanzämter unbemerkt an die Daten kommen können. Und die Kleinaktionäre, mit dem nix mehr Halbeinkünfteverfahren und nix mehr steuerfreie Vereinnahmung von Kursgewinnen nach Einhaltung der Spekulationsfrist.
Und die geschlossenen Fonds? And the winner takes it all. Nachdem inzwischen alle Steuersparmodelle für geschlossene Fonds gestrichen wurden, gibt der Fiskus der Branche auch mal was zurück, hire and fire, umgedreht natürlich……