Ein Wissenschaftler äußert sich zu den Problemen der Konzepte.
Der Endzweck der Pflegereform, die nicht ortsgebundene Pflege aufzupeppen, bleibt insofern unerreicht, da viele Menschen in Pflegeheimen untergebracht werden, trotz der Konzepte der Bundesgesundheitsministerin (Ulla Schmidt). Dies schilderte der Wissenschaftler Stephan Dorschner. Seit Anbeginn der Pflegeversicherung in den neunziger Jahren versuchte man den Menschen die ambulante Pflege schmackhaft zu machen und die stationäre Pflege aus der Gesellschaft zu verbannen, erklärte der auf die Pflege spezialisierte Professor. „Bisher haben alle Maßnahmen jedoch das genaue Gegenteil bewirkt.“
Von den zwei Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wohnten 2005 ein Fünftel mehr in Heimen als sechs Jahre zuvor (Jahr 1999). Die CDU/CSU und die SPD legten im gemeinsamen Einvernehmen die Prioritäten der Pflegereform fest. Bis Juli 2008 steigen die Beiträge der Pflegeversicherung voraussichtlich auf 1,95 Prozent. Dafür wollen die Politiker die Leistungen für die propagierte ambulante Pflege stufenweise erhöhen. Geisteskranke Personen erhalten zusätzliche finanzielle Unterstützung von der Pflegeversicherung.
Während Ulla Schmidt sich optimistisch zeigt, dass auf diese Art und Weise pflegebedürftige Personen über einen längeren Zeitraum hinweg zuhause wohnen können, bevor sie in ein Heim gebracht werden, sieht Dorschner die Sache nüchterner: „Höhere finanzielle Leistungen für zu Hause betreute Pflegebedürftige sind zwar ein richtiger Ansatz, aber ambulante Pflege hat nicht nur mit Geld zu tun.“
Das Hauptproblem sei die Tatsache, dass berufstätige Menschen bzw. Personen, die ihren eigenen Nachwuchs versorgen müssen, sich nicht ausreichend um pflegebedürftige Mitglieder kümmern können, zumal Pflegefälle inzwischen über einen größeren Zeitraum hinweg Zuwendung brauchen, als es früher der Fall war. Die Politik kaut zwar immer noch an den sechs Monaten unbezahlten Urlaub für Beschäftigte in Betrieben mit mehr als zehn Erwerbstätigen, aber Dorschner ist der Meinung, dass dieses Zugeständnis alles andere als ausreichend ist. „Die Zeit reicht wahrscheinlich gerade, um einen Heimplatz zu finden“, kritisierte er.
Dorschner sieht eine Lösung der Probleme in der Pflege bei einer Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Krankenkassen und den Pflegeversicherungen. „Es gibt viele Überschneidungen, etwa wenn ein Demenzkranker gleichzeitig körperlich chronisch erkrankt“. In so einer Situation versuch(t)en die Pflege- und Krankenkasse sich meistens gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben, damit am besten der „andere“ die Kosten zu tragen hat.
Dies ist jedoch keine Basis für ein funktionierendes Gesundheitssystem und so muss eine Kooperation und eine gegenseitige Unterstützung zwischen den beiden Kassen entstehen. Eine ähnliche Zusammenarbeit forderte Dorschner zwischen den Ärzten und dem Pflegepersonal, sowie eine Verknüpfung zwischen den Pflegeheimen und eine bessere Nutzung und Kombination verschiedener „Pflegemöglichkeiten“, wie zum Beispiel Tages- und Kurzzeitpflege oder beaufsichtigte Wohnformen.



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