Der Blindenhund in der gesetzlichen Krankenkasse

Eine Dame, welche fast vollkommen sehbehindert war, beanspruchte von ihrer Krankenkasse im Herbst 2003, dass diese die Kosten in Höhe von rund 20.000 Euro für den Erwerb eines Blindenhundes bezahlt. Weil die Kasse nicht so viel Geld bezahlen wollte, bot sie der Versicherungsnehmerin an, die viel kleineren finanziellen Ansprüche für ein Mobilitätstraining, bei dem ihr die Benutzung eines Blindenlangstocks beigebracht würde, zu erstatten. Nachdem sie die spezielle Schulung erfolgreich absolviert hatte, riet ihr die Rehabilitations-Einrichtung, dass sie sich einen Blindenführhund anschaffen sollte, damit sie sich beinahe gefahrlos im Verkehr fortbewegen könne.

Die abermalige Forderung der Dame, ihr die Kosten eines Blindenführhundes zu übernehmen, lehnte die Krankenkasse erneut ab und bot ihr an, die Kosten für ein erneutes Mobilitätstraining zu übernehmen. Die Versicherte nahm das Angebot nicht an und reichte stattdessen eine Klage gegen den Beschluss der Krankenkasse ein.

Das Sozialgericht wies die Klage zunächst ab, denn das Gericht war, wie die Krankenkasse der Meinung, ein Stock gäbe jemandem, der den Umgang mit ihm beherrscht, genauso viel Sicherheit wie ein Blindenführhund. Die Krankenkasse muss nur dafür sorgen, dass die Betroffene genug Sicherheit habe, also kann man von der GKV nicht die sehr teure Anschaffung eines Blindenführhundes fordern, wenn es auch ohne geht.

Dieses Urteil wurde vom Landessozialgericht Baden-Württemberg im nachhinein mit dem Urteil vom 26. Oktober 2007 aufgehoben (Az.: L 4 KR 5486/05), denn das LSG entschied, dass ein Blindenführhund in diesem Fall eine gute Hilfe wäre.

Denn die Klägerin hatte nach dem beenden des Mobilitätstrainings immer noch Sorgen, wenn sie ihr Haus verließ. Deshalb war auch das Gericht der Meinung, dass sie einen Blindenführhund braucht. Denn mit diesem kann sie sorglos auch etwas größere Strecken wagen. Die Richter teilten auch die Ansicht der Krankenkasse nicht, die Klägerin könne Hilfe von Verwandten oder Bekannten, wie zum Beispiel ihrem Ehemann bekommen. Denn es muss Geschädigten möglich sein, ein Leben ohne Abhängigkeit zu führen. Das Gericht gab im Nachhinein der Klage in vollem Umfang statt und forderte die Krankenkasse auf, die Besorgung eines Blindenführhundes zu finanzieren.

Comments

  1. In Österreich gibt es drei Blindenführhundeschulen. Die Preise liegen zwischen 28.000 und 32.000 Euro

  2. Mein Name ist Sabine Kleist, Jahrgang 1962, aufgrund eines Keratokonus und einer Netzhautdystrophie, wo Zapfen und Stäbchen in beiden Augen absterben hochgradig sehbehindert.

    Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit dem Ankauf eines Blindesführhundes. Entschieden habe ich mich für einen Blindenführhund aber schon seitdem ich weiß, das meine Augen zunehmend schlechter werden.
    Hunde hatte ich schon seit meinem 15 Lebensjahr. Ich war auch auf nationalen und internationalen Ausstellungen in ganz Deutschland und auch zweimal in Österreich.
    Mein Exmann war beim Wachdienst beschäftigt und wir hatten vier Hunde. Zwei Rottweiler und zwei Dobermänner, die abwechselnd ihren Dienst verrichteten.I

    Als ich mich dann mit dem Thema Blindenführhund genauer befasste, wusste ich noch nicht wie viel Arbeit und Nerven es kostet, bevor man überhaupt so einen treuen und helfenden Engel bekommt.Die schriftlichen Ansuchen an verschiedene Behörden und Vereine hat mir meine Sozialarbeiterin Frau Martha T. vom österreichischen Blindenverband abgenommen, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft, denn ich habe versucht private Sponsoren zu finden,was mir auch Gott sei Dank gelungen ist.

    Auch an dem Verein Engel auf Pfoten habe ich mich gewandt. Dieser Verein hat mich von November 2008 bis Mai 2009 nur als Lockvogel für 32.000 Euro für den Ankauf eines Blindenführhundes benutzt. Und um Spenden für mich gebettelt.

    Bekommen habe ich vom Verein nicht einmal einen Euro.
    In meinen Augen ist dieser Verein unseriös, aber das ist mir egal,denn ich habe seit 9. November meinen Blindenführhund Sly,meinen helfenden Engel auf vier Pfoten.

    Ich bin sehr stolz und glücklich. Aus diesem Grund haben Sly und ich auch den Ternitzer Blindenführhunde-Stammtisch gegründet. Wir möchten gern Sehbehinderten und blinden Menschen,die sich auch für einen Blindenführhund entscheiden mir Informationen und Beratung helfen,damit sie vielleicht schneller einen helfenden Engel bekommen.
     
    Information und Beratung beim :

    Ternitzer Blindenführhunde Stammtisch
    SabineKleist
    Mobil:0664/9428520
    email:sabine.kleist@chello.at

    Unabhängiger Blindenführhunde Verein UBV bildet Blindenführhunde nach österreichischen, deutschen und natürlich schweizerischen Richtlinien (Recht ) aus
    Nähere Auskünfte direkt über das Sekretariat
    Mattbrunnen
    CH – 8765 Engi / GL
    Tel. 0041  055  642 22 18
    ubverein@bluewin.ch
    www.ubverein.ch

     
     

  3. manfred says:

    Hallo Sabine,
    das ist ein schlimmes los, ich hoffe Sie haben viele Freude mit Sly, der Sie hoffentlich etwas über den Verlust des Augenlichtes hinweghilft.
    Für die Webseitenbesucher, möchte ich anregen, wir sich angesprochen fühlt dem Verein eine Spende zukommen zu lassen, ich denke das wäre eine gute Idee.
    VG
    Manfred

Trackbacks

  1. [...] Manfreds Makeleien Die Welt aus Sicht eines Versicherungsmaklers oder die Private Krankenversicherung verbloggt « Der Blindenhund in der gesetzlichen Krankenkasse [...]

  2. [...] Nich schlecht gestaunt habe ich als ich den Preis gelesen habe. Satte €20.000 kostet ein vollausgebildeter Hund der Leute ohne Augenlicht eine gewissen Unabhängigkeit verleihen soll. Die Ausbildung dauert rund ein Jahr und wenn man sieht wie geschickt und sicher Herrchen oder Frauchen durch die Stadt navigiert werden, sicherlich auch berechtigt. Diese Kosten werden von den Krankenkassen in der Regel übernommen. Warum “in der Regel”? Es gibt auch Krankenkasse die sich weigern wie man in diesem Artikel nachlesen kann. Ausführlich hat darüber auch Manfred in seinem Blog beschrieben. Kurz zusammengefasst: Eine Krankenkasse weigert sich einen Blindenhund zu zahlen, da auch eine Schulung mit Blindenstock ausreichen würde. Mich interessiert natürlich Eure Meinung. Ist es gerechtfertig, dass die Krankenkasse sich weigert oder ist das ganze ein Skandal? Bookmarken: [...]

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