Wilde Fahrt der gesetzlichen Krankenkasse durch den Gesundheitsfond

April 4th, 2008 by Manfred | Filed under GKV, Krankenversicherung.

Die Ersatzkrankenkassen und der Deutsche Gewerkschaftsbund plädierten dafür, das Inkrafttreten des Gesundheitsfonds zu vertagen, damit die Qualität nicht darunter leidet, wenn die Sache zu flott über die Bühne geht. Sollte dies doch der Fall sein und der Fond doch mit Beginn 2009 eingeführt werden, so machen sich gleich zu Beginn erste negative Anzeichen bei der Beitragserhöhung innerhalb der GKV auf 15,3 Prozent bemerkbar, so der Verband der Angestellten- Krankenkassen (abgekürzt: VdAK). Nach Meinung des VdAK sei die Zeit für die Geburt des Fonds frühestens 2010 reif (allerdings frage ich mich, was diese Zeitverschiebung an den Auswirkungen dieser Fehlgeburt ändern soll). Innerhalb der Zeit sollte es ein klares Bild der wirtschaftlichen Konsequenz geben, die der Fond mit sich zieht. Bis dahin müsse nach Meinung des VdAK-Chefs, Thomas Ballast, jede Kasse ihren eigenen Beitragssatz zusätzlich zu dem Gesundheitsfond bestimmen können.

Eine Materie, mit der vorsichtig zu arbeiten sei, sei der einheitliche Beitragssatz. Finanziell schwache Kassen müssten dann das zusätzlich verlorene Kapital mit Zusatzbeiträgen wieder ausgleichen. „Legt die Bundesregierung aus politischen Erwägungen einen zu niedrigen Einheitsbeitragssatz fest, werden bereits mit Start des Fonds viele Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben müssen. Sinkt die Deckungsquote dann in der Folgezeit bis auf 95 Prozent ab, wird schon alleine deswegen der Zusatzbeitrag auf durchschnittlich ca. 12 Euro im GKV-Durchschnitt ansteigen“, heißt es wörtlich (Ballast). Das wiederum ginge zu Lasten der Patienten und sind als „…unsozial und wettbewerbsfeindlich…“ anzusehen. Im Endeffekt würden dadurch lediglich die Arbeitgeber entlastet werden, während die Beschäftigten die steigenden Ausgaben der Kassen zu tragen hätten.

Auch wenn das deutsche Gesundheitssystem nicht zur Bequemlichkeit beitragen soll, so sollte doch jeder seine benötigten Behandlungen bekommen und zwar ohne tief in die Tasche greifen zu müssen. Neben zusätzlicher Bürokratie, die Unsummen verschlingt, sei es „…inhuman, die Kosten für die Gesundheit zur Privatsache zu erklären.“ Aber dies alles ließ die Regierung und das Bundesgesundheitsministerium kalt. Beharrlich wurde auf die Einführung 2009 gepocht und sämtliche Beanstandungen und Warnungen in den Wind geschlagen. Bildlich gesehen sitzen wir in einem Boot, welches auf einen Wasserfall zusteuert. Und der Kapitän weigert sich standhaft, umzudrehen….. nun ja, macht nix, denn vermutlich ist das heute schon zu spät.

Diese Entwicklung hatte man in den 80 ziger Jahren des letzten Jahrtausends schon wissenschaftlich festgestellt. Leider wurde seitens der Politik nicht reagiert, da der Leidensdruck noch nicht so groß war, damals hätte man das Gesundheitswesen noch auf eine kapitalgedeckte Finanzierung stellen können. Je länger gewartet wird, je schmerzlicher müssen die folgenden Einschnitte sein.

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