Reiche Kassen und arme Kliniken Teil 1: Die Krankenhäuser stecken mitten in einer Krise….

Die Krankenhäuser schlagen Alarm: Dass in diesen Einrichtungen vorn und hinten das Geld fehlt, habe ich bereits des öfteren erwähnt. Allerdings spitzt sich diese Situation weiter zu, zumal das ärztliche Personal für eine Lohnanhebung von knapp 10% kämpft(e) und Ver.di für das nichtärztliche Personal 8% mehr Geld haben will. Früheren Prognosen nach würden die Krankenhäuser durch diese Forderungen im Jahr 2008 mit über 2 Milliarden € in der Kreide stehen. Zu dieser Erkenntnis gelangte das Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), welches an der Studie im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gearbeitet hatte.

Der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum machte bei der Veröffentlichung dieser Studie deutlich, was für Folgen es nach sich ziehen wird, wenn die Krankenhäuser finanziell nicht unterstützt werden. Bis 2009 wären 2100 Kliniken betroffen, bei denen insgesamt drei Milliarden Euro fehlen. Hinzu kommt, dass inzwischen so viel wegrationalisiert wird, dass einfach nichts mehr gekürzt werden kann. Dies führe dazu, dass sich einige Hospitale auflösen werden. Mit der Summe der fehlenden Gelder könne man 40000 Ärzte oder 66000 Mitarbeiter im Pflegebereich bezahlen.

Schuld an diesem Desaster sei nach Ansicht der DKG die Regierung. Denn trotz dieser Notlagen gestehe die Politik den Kliniken eine Erhöhung des Etats von 0,64 Prozent jährlich zu. Mit den Erhöhungen sind die Krankenhäuser nicht einmal in der Lage, die steigenden Preise finanziell zu decken, geschweige denn, die seitens des Medizinischen Dienstes und Ver.di geforderten Lohnerhöhungen. Auch eine Bewilligung von 5% würde 08/09 ein Loch von 1,5 Milliarden € reißen. Die Bahn könne zum Beispiel die Preise für Fahrkarten anheben und so eventuelle Lohnerhöhungen ausgleichen. Dies sei bei Krankenhäusern nicht möglich. Die DKG besteht somit darauf, dass das, von der Kasse ausgezahlte Geld von der Höhe der abgeschlossenen Tarife abhängen soll. Der zurzeit 280 Millionen schwere Sanierungsbeitrag, welcher zur Begünstigung der Kassen zu entrichten ist, sollte abgeschafft werden.

Aber auch die Besucher der Krankenhäuser sind längst nicht mehr zufrieden. Das läge daran, dass die Krankenhäuser das Pflegepersonal seit 1997/1998 jährlich um 9000 Stellen kürze, was bis heute eine Entlassungswelle von 90000 Stellen bewirkte. So würden sämtliche Möglichkeiten, Einsparungen vorzunehmen ausgeschöpft und dieser Raubbau wird sich rächen. Schon heute könnte man die Konsequenzen der Kürzungen erkennen: „Wer behauptet, die fehlenden Mittel hätten keine Auswirkungen auf die Patientenversorgung, ignoriert die Klinikwirklichkeit. Patienten klagen längst über längere Wartezeiten, weniger Zuwendung und belastetes Personal“, erklärt Baum.

Trackbacks

  1. [...] Ein weiterer Grund für diese Anhebung sind die galoppierenden Kosten, letztes Jahr sah es noch ganz gut aus, was ich im Artikel arme Klinik und reiche Kassen auch beschrieben habe. Heuer nun sieht due Sache etwas anders aus, im ersten Quartal 2008 hat die GKV allgemein mit einem Defizit von 1,07 Milliarden Euro, und damit deutlich höher als im Vergleichszeitraum 2007, abgeschlossen. [...]

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