Wie so vieles in der aktuellen Diskussion im Gesundheitswesen ist auch die Frage des Stellenwertes des Hausarztes sehr ambivalent.
Einerseits habe ich bei meinen Hausarzt erlebt, dass in der Praxis die Existenzangst um sich greift. Erst kürzlich wurde in München eine Veranstaltung zum Erhalt der Hausarztpraxis veranstaltet, welche auch von meinem Hausarzt unterstützt wurde. Es scheint so, dass seitens der Regierung die unpersönliche Versorgung in sog. ärztlichen Versorgungszentren favorisiert würde. Ich könnte mir vorstellen, dass eine solche Versorgung einiges an finanziellen Mitteln einsparen würde, andererseits hätte ich schon ein erhebliches Problem, jedesmal einem neuen Arzt meine Lebens – und Leidensgeschichte auszubreiten. Ich denke so wird es manchem Patienten gehen. Da jeder Mensch und somit auch jeder Arzt eigene Erfahrungen und Ansichten hat könnte ich mir vorstellen, dass eine kontinuierliche Behandlung von Langzeitpatienten in einem solchen Versorgungszentrum erheblich problematischer ist, weil es einfach keinen persönlichen Hausarzt mehr gibt.
Mit dieser These möchte ich in keiner Weise die med. Qualifikation der in Versorgungszentren behandelnden Ärzte in Frage stellen. Was ich damit ausdrücken will ist nur, dass es auch in der Medizin unterschiedliche Ansichten und Behandlungsansätze für verschiedene Erkrankungen gibt. Wenn nun ein Patient in einem solchen Versorgungszentrum von unterschiedlichen Ärzten mit richtigen, aber unterschiedlichen Behandlungsansätzen versorgt wird, ist das möglicherweise nicht hilfreich.
Andererseits sollen nun ganz schnell Hausarztmodelle in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) eingeführt werden. Damit könnten Kassenpatienten bundesweit erhebliche Vergünstigungen erhalten, wenn zuerst der Hausarzt aufgesucht wird. Der Hausarzt soll, nach dem Willen der Koalition, als Lotse im Gesundheitswesen etabliert werden. Denn der Hausarzt hat i.d.R. die intensivste Beziehung zu seinen Patienten.
Kürzlich berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass die Bundesregierung die GKV mit einem gesetzlich verankerten Ultimatum zur Einführung solcher Hausarztmodelle zwingen wolle. Offensichtlich scheint es nach Ansicht der Bundesregierung so, dass die GKV dieses Anliegen bisher nicht energisch genug vorangetrieben hat. Nach diesem Ultimatum müssen alle Gesetzlichen Krankenkassen bis zum 30. Juni 2009 Verträge mit den Hausärzten abgeschlossen haben. Ich bin mal gespannt, ob sich die Lage der Hausärzte nun etwas entspannt.




[...] Nun wollen auch die Ärzte vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, die KBV möchte wegen der Pläne der Regierung zur Stärkung der Hausarztverbände vor den Kadi ziehen. Dies bekräftigte Andreas Köhler, Vorsitzender der KBV am Dienstag in Berlin. Das Bundesregierung die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) mit einem Ultimatum bis Ende Juni 2009 unter Druck setzten will habe ich schon in folgendem Artikel berichtet: Die totale Verwirrung, was soll aus dem Hausarzt werden? [...]