Gesetzliche Krankenkasse oder private Krankenversicherung – Wer soll die „Jugend von heute“ vor der Sauferei retten?

August 2nd, 2008 by Manfred | Filed under Gesundheit, Krankenversicherung.

Um Kindern bzw Jugendlichen einen angemessenen Umgang mit Alkohol beizubringen, wird den Jugendlichen gezeigt, was übermäßiger Genuss von Spirituosen (auf Dauer) bewirken kann. Der Etat, der für die ersten zwölf Monate bereitgestellt wird, betrage knapp 10 Mio €. Zählt man die 3,5 Mio €, welche seit 2005 für die Aufklärung von Geschlechtskrankheiten (vor allem dem HIV- Virus) fließen, dazu, so umfasst die Kostensumme dieser Projekte 13,5 Millionen Euro.

Verbandsdirektor, Dr. Volker Leienbach, welcher neben dem Verbandsvorsitzenden, Reinhold Schulte das Projekt an die Öffentlichkeit brachte, machte in einer Aussage deutlich, welches Erfolgserlebnis es für ihn sei, dass alle, im PKV-Verband organisierten Versicherer sich dafür engagierten und finanziell daran beteiligten. Ein wichtiges Merkmal des Projektes sei die Tatsache, dass die Bürokratie dabei im Hintergrund steht und man sich ganz auf die Aufklärung der Jugendlichen konzentrieren will. Anstatt die geldfressende Bürokratie weiter auszubauen, sollte das Vorhandene effektiver genutzt werden.

Da schon allein die Werbung in Form von Plakaten, Flyern,… etc. acht Millionen Euro verschlingt, versuchten die Betreiber der Aktion Teilhaber für sich zu gewinnen. Ein spezielles Augenmerk wurde dabei auf die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) geworfen, welche sich schon für das oben genannte Projekt gegen Aids-Krankheiten engagiert. Rein ökonomisch gesehen, sind die Bemühungen zur Aufklärung eher ein Draufzahlgeschäft und das auch noch im doppelten Sinne, wie es Schulte erklärt: „„Prävention kann zwar im Einzelfall Behandlungskosten sparen – sie spart aber nicht immer Geld im System. Oft ist das Gegenteil richtig. Prävention führt zu einer erwünschten Verlängerung des Lebens mit zusätzlichen Kosten im Gesundheitssystem.”

Neben dem Geld, dass dafür verwendet wird, erhöhen sich die Lebenserwartungen, so dass die gesetzlichen Krankenkassen noch mehr belastet werden. Und doch investieren die privaten Kassen ein Vermögen, weil es aus deren Sicht die Allgemeinheit betreffe. Und das alles freiwillig und ehrenamtlich. Selbst bei der GKV hat dies nichts mit ihrem, unter Versicherungsschutz stehendem Spektrum zu tun.

Ich persönliche bin der Meinung, dass ein Suchtverhalten im Bezug auf Rauschmittel, in dem Fall Alkohol, für die Kassen und die Gesellschaft eine so große Belastung darstellen, dass sich diese Projekte sehr wohl als wirtschaftlich erweisen könnten. Wenn jemand zum Alkoholiker wird und so keinen Beruf mehr ausüben kann, muss dies in gewisser Weise vom Sozialsystem getragen werden (Sozialhilfe). Kann die Sucht mit teuren Therapien bewältigt werden und findet er wieder einen Job, kann es passieren, dass der gebeutelte Körper irgendwann nicht mehr mitmacht (zerfressene Organe, „Hirn weggesoffen“,….) Und wenn man rechtzeitig gezielt eine oder mehrere Generationen von der Sucht weghalten kann, lassen sich solche Probleme eindämmen, zumal auch einige aufgeklärte Jugendliche die “Botschaft weiter verkünden“ werden.

Dieses Vorhaben zur Aufklärung läuft den vom Bundesgesundheitsministerium angestrebten Präventionsgesetz zuwider, dessen Modell von unserer geehrten Frau Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in der letzten Novemberwoche 07 präsentiert wurde. Der Inhalt des Entwurfes umfasst die Bildung eines Präventionsfonds und weiterer Präventionsräte, sowie die Integration der privaten Krankenversicherung in die Vorbeugungsmaßnahmen. Diese Integration bedeutet für die PKV eine finanzielle Beteiligung an dem Fond in Höhe von 1,65 €/Versicherten, was sich insgesamt auf eine Belastung von 10,8 Millionen € beläuft. Schulte erklärte, dass dies schon allein von der Geschäftsabwicklung her nicht möglich sei, weil: „Dritte über Mehrheitsbeschluss über Beitragsmittel der Privatversicherten entscheiden würden“.

Ein geplanter national tätiger Präventionsrat sei mit der Aufgabe betraut, die Jugend über „Jugendthemen“ (in dem Fall Alkoholsucht) aufzuklären. Auch wenn die PKV finanziell sich daran beteiligen soll, so sind es die gesetzlichen Krankenkassen, die hauptsächlich für das Vorhaben aufkommen. Die den Ländern zugeteilten Präventionsräte sind damit beauftragt, ein klar definiertes Konzept für die Aufklärungsmaßnahmen auszuarbeiten. Mit 250 Millionen € würde sich die GKV am stärksten an den Kosten beteiligen.

Aber Schulte sieht das Gesetzt als gescheitert an, noch bevor es überhaupt gültig wird: „Dass die Einbeziehung der privaten Krankenversicherung in ein Präventionsgesetz aus verfassungsrechtlichen Gründen unmöglich ist, haben die Stellungnahmen aus dem Bundesjustiz- und dem Bundesinnenministerium zum Gesetzentwurf deutlich gemacht“.

One Response to “Gesetzliche Krankenkasse oder private Krankenversicherung – Wer soll die „Jugend von heute“ vor der Sauferei retten?”

  1. Christian sagt:

    Die großteils primitiven und geschmacklosen Plakate und Spots der BzgA zum Thema AIDS, die null inhaltliche Substanz haben, lassen nichts Gutes für eine Anti-Alkohol-Kampagne erwarten. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich Jugendliche vom Saufen abhalten lassen, wenn wieder Millionen in solche Unterfangen gebuttert werden.

    Wichtiger wäre eine konsequente Regresspolitik der Kassen: Überall, wo eine jugendliche Schnapsleiche eingeliefert wird, müssen die Kosten bei allen Personen eingetrieben werden, die man dafür haftbar machen kann. Wenn es Aufsichtspersonen oder Gaststättenbetreibern an die eigene Geldtasche geht, fangen sie vll auch an zu denken…

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