Diesmal berichte ich nicht in erster Linie über unsere geehrte Gesundheitsministerin Frau Ulla Schmidt (SPD), die könnte man ja auf Grund der Titel dieses Beitrages vermuten. Nein, zu diesem Beitrag haben mich die jüngsten Aussagen von Frau Ursula von der Leyen (CDU), ihres Zeichens Familienministerin inspiriert. Sie ruft zum Boykott teurer gesetzliche Krankenkassen (GKV) auf.
Wie allgemein bekannt ist, (zumindest sollte es Stammlesern (ich hoffe es gibt solche;-)) auf meinem Blog bekannt sein, kann / muss mit der Einführung des Gesundheitsfonds ein Zusatzbeitrag von den einzelnen GKV erhoben werden, wenn diese mit den zugewiesenen Finanzmitteln nicht auskommen. Dass dieser Zusatzbeitrag, der direkt von jedem GKV Mitglied erhoben wird, nicht nur von beeinflussbaren Faktoren, wie z.B. der Wirtschaftlichkeit abhängig ist, gilt auch unter Experten als unstrittig. Obwohl ich davon ausgehe, dass Frau von der Leyen sich dieser Tatsache bewusst ist, ruft Sie dennoch zum Verlassen entsprechender Gesetzlicher Krankenkassen auf. Die Versicherten sollten Krankenkassen boykottieren, die nach Einführung des Gesundheitsfonds diesen Zusatzbeitrag von den Versicherten erheben. In der “Bild am Sonntag” sagte Frau von der Leyen dazu, Sie könne: “nur empfehlen: Schauen Sie Ihrer Krankenkasse genau auf die Finger und wechseln Sie die Kasse, wenn sie mehr Geld von Ihnen verlangt”. Weiter meinte Frau von der Leyen: “Kassen, die gut wirtschaften, werden ihren Versicherten Geld zurückgeben können. Kassen, die schlecht wirtschaften, werden Zuschläge verlangen müssen”.
Gleichzeitig verteidigte Sie die Einführung des Gesundheitsfonds, weil dieser Gerechtigkeit schaffe und nichts teurer würde: “Jede Kasse bekommt denselben Betrag pro Versicherten. Damit hört die Jagd nach den jungen Besserverdienenden auf. Und jede Kasse kann zeigen, was sie mit dem Geld ihrer Versicherten macht.” Das Frau von der Leyen eine solche Argumentation an den Tag legt, hätte ich nicht erwartet, ich glaub ich höre unsere geehrte Bundesgesundheitsministerin Frau Ulla Schmidt (SPD). Ich möchte nicht glauben, dass Frau von der Leyen so uninformiert ist, vielleicht sollte mein Blog zur Pflichtlektüre werden;-).
Eines ist doch ganz klar, ich muss es einfach nochmals wiederholen, der Gesundheitsfonds wurde eingeführt, weil die regierenden Parteien sich nicht auf ein zukünftig tragbares Konzept für die Krankenversorgung in Deutschland einigen konnten. Klar ist auch, dass wir Wähler schuld sind, weil wir nicht in der Lage waren bei der letzten Bundestagswahl klare Verhältnisse zu schaffen. Nun hofft jede der großen Parteien dieses Konstrukt nach der nächsten Bundestagswahl in die eigenen Bahnen zu lenken, bei der CDU heißt diese Modell Kopfpauschale und bei der SPD Bürgerversicherung.
Wie mit Einführung des Gesundheitsfonds der Wettbewerb in der GKV gestärkt werden soll, entzieht sich meiner Erkenntnis. Wenn die Beiträge planwirtschaftlich festgelegt werden und dann noch alle mögliche Komponenten über den Risikostrukturausgleich ausgebügelt werden, wie soll da ein Wettbewerb entstehen? Über die max. 8 € Zusatzbeitrag etwa? Ich vermute, dass glaubt doch nicht mal Frau Ulla Schmidt.
Übrigens glaube ich, dass Frau Ulla Schmidt sich ins Fäustchen lacht, weil sie offensichtlich eine Gleichgesinnte in der konkurrierenden Fraktion (CDU) gefunden hat. Wieso? Na, denken wir mal die Konsequenzen des Boykottaufrufes von Frau von der Leyen mal zu Ende. Die ersten Kassen verlieren Mitglieder weil der Zusatzbeitrag erhoben werden muss. Es ist stark anzunehmen, dass zuerst die jungen gesunden Mitglieder gehen, weil ältere und kranke Mitglieder die möglicherweise schon Jahrzehnte bei der gleichen GKV sind nicht so leicht wechseln. Deshalb kommt es zu einer Entmischung der Risiken in diesen Gesetzlichen Krankenkassen, was letztendlich zur Insolvenz der Kasse führen würde. Die Wechsler, nun wohin werden die sich wenden? Die wenden sich vermutlich zu den GKV Unternehmen die den „Kunden“ am meisten versprechen. Die Versprechungen kosten aber zusätzliches Geld und nun folgt das gleiche Spiel wie zuvor, weil auch der Jüngste „Kunde“ irgendwann alt wird und somit mehr Leistungen benötigt. Am Ende bleibt noch eine große GKV übrig, wo dann eh alles gleich ist, von dieser Einheits-GKV zur Bürgerversicherung ist es dann auch nicht mehr weit. Ob Frau von der Leyen oder auch die Verantwortlichen in der Union sich dieser Systematik bewusst waren als der Gesundheitsfonds verabschiedet wurde, kann ich nicht sagen.



[...] Manfreds Makeleien Die Welt aus Sicht eines Versicherungsmaklers oder die Private Krankenversicherung verbloggt « Von der gesetzlichen Krankenkasse zur Einheitskasse [...]