Steht die private Pflegeversicherung und die gesetzliche Pflegekasse vor der nächsten Reform?

Zumindest könnte man solche Schlüsse aus dem ersten, im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse (GEK) erstellten, wissenschaftlichen Pflege-Report herauslesen. Im Pflege-Report 2008 (PDF) wurde an Hand von umfangreichem Datenmaterial untersucht, wie hoch die Pflege-Wahrscheinlichkeit, die Pflege-„Karriere“ und die medizinische Versorgung sind. Beauftragt wurde Herr Prof. Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) an der Universität Bremen. Erschreckendes Ergebnis dieser Auswertung, fast jeder 2. wird zum Pflegefall.

Grundlage für die Untersuchung waren die in 2007 verstorbenen GEK-Versicherten, welche in den letzten Lebensjahren Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung (SPV) in Anspruch nehmen mussten: Dies betraf die erschreckende Anzahl von ca. 41 % der Männer und ca. 51 Prozent der Frauen. Wobei die mittlere Pflegedauer bei Männern mit ca. 16 Monaten wesentlich kürzer war als bei Frauen mit ca. 40 Monaten. Ich denke dass diese Daten allgemeinverbindlich sein werden, denn die GEK ist immerhin die viertgrößte Ersatzkasse mit 1,2 Mio. Mitgliedern bei 1,7 Mio. Versicherten.

Der GEK-Vorstandsvorsitzenden Rolf-Ulrich Schlenker ist der Ansicht, dass auf die gesetzliche Pflegeversicherung so große Herausforderungen zukommen, welche in der nächsten Legislaturperiode die nächste Pflegereform notwendig machen dürfte.
Dass die Pflegeversicherung strukturell nicht sauber finanziert ist habe ich ja schon hinlänglich geschrieben. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Herrn Prof. Raffelhüschen zitieren, der die Pflegeversicherung mit einem Kettenbrief zu Lasten der jungen Generation vergleicht.

Bedenklich ist auch die Tatsache, dass zu den gut 2 Mio. Menschen, welche heute von der Pflegeversicherung profitieren noch gut 3 Mio. Menschen dazukommen, welche zwar Unterstützung benötigen, aber formal die Pflegestufe 1 noch nicht erreichen.

Bei den Pflege-„Karrieren“ kam der Report zu folgendem Ergebnis:
Ca. 61 % beginnen mit der Pflegestufe 1
Ca. 31 % beginnen mit der Pflegestufe 2

Immerhin schon ca. 8 % der Menschen beginnen mit der Pflegestufe 3, in diesen Fälle ist kaum mit gesundheitlichen Verbesserungen und der damit verbundenen Rückstufung zu rechnen. Im Gegensatz zu den Menschen welche mit der Pflegestufe 1 beginnen, würde sich die Pflegebedürftigkeit im Zeitablauf erhöhen, allerdings gäbe es für 2-5 % der Betroffenen auch den Weg zurück zu einer selbstständigen Lebensführung, so Prof. Rothgang.

Der Report listet auch Mängel in der fachärztlichen Versorgung in Pflegeheimen auf. Heimbewohner würden signifikant seltener durch Fachärzte wie z.B. Augenärzte und Orthopäden untersucht. Auch die medizinischen Versorgung in Pflegeheimen seien Mängel festzustellen „Pflegebedürftige insgesamt bekommen mehr Arzneimittel-Verordnungen mit umstrittenem Nutzen oder Nebenwirkungen.“

Herr Schlenker (GEK-Chef) möchte den Pflege-Report mit wechselnden Schwerpunktthemen zum Standardwerk in der Pflege entwickeln. Außerdem soll ein Pflegekompass von der GEK in 2009 herausgeben werden. Ziel sei der Einstieg in die qualitätsgesicherte Pflegeberatung zu erleichtern und die Qualifikationen von Pflegeheimen auszuweisen. Interessant wäre nun ein vergleichbarer Report, der über den PKV Verband durchgeführt werden sollte. Ich möchte damit aber keine Neiddiskussion anheizen.

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