Ja, das ist kein schlechter Witz, dies ist ein kühl kalkulierter Plan um von verstorbenen Patienten noch Geld herauszuschinden. Aus diesem Grunde fordert der Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) eine „Annualisierung der Ausgaben Verstorbener“. Was so unscheinbar klingt, ist nichts anderes als die Forderung, der Gesundheitsfonds solle die Kosten bis ans Jahresende zahlen, selbst dann, wenn der Patient schon im Januar stirbt.
Bekanntlich erhalten die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) für kranke Mitglieder über den Morbi RSA Zuschläge. Stirbt ein solcher Patient im Januar will die AOK den Zuschlag bis einschließlich Dezember kassieren. Der entsprechende Antrag der AOK liegt dem Bundesversicherungsamt (BVA) in Bonn vor. Das BVA verwaltet auch den Gesundheitsfonds. Lohnen würde sich dies, da fehlen mir echt die Worte (Fledderei vielleicht?). Nach einem Bericht im Spiegel würde die AOK damit ca. eine Mrd Euro im Jahr mehr kassieren.
Es würde zu entsprechenden Umschichtungen zu Gunsten der meisten AOKen kommen, zahlen müssten dieses die Gesetzlichen Krankenkassen mit jüngeren Mitgliedern. Dazu meinte Herr Udo Barske als Sprecher des AOK-Bundesverbands im „EXPRESS“: „Wir wollen mit dem Vorschlag erreichen, dass die sehr hohen Kosten, die oft in den letzten Monaten eines Patienten anfallen, gerechter verteilt werden. Wir wollen also nicht mit Toten verdienen. Das ist verzerrt dargestellt.“ Die Intensivversorgung wäre sehr teuer, egal, ob sie im Januar oder im Dezember anfalle. „Nur, wenn sie erst im Dezember notwendig wird, gibt es derzeit einen höheren Zuschuss als im Januar.“ Damit könne der „Altersdiskriminierung vorgebeugt werden“, meinte Herr Barske zu dem Vorschlag. Die Mehreinnahmen können für bessere Behandlung eingesetzt werden.
Irgendwie finde ich diese Logik seltsam, heute will die AOK noch mehr Geld aus dem System ziehen weil sie sich besser um die alten Menschen kümmern möchte. Nur, auch die Kassen, mit heute noch vergleichsweise jungen Kunden, werden irgendwann vor dem gleichen Problem stehen, denn alt werden auch die heute jungen GKV Versicherten. Da kann ich nicht nachvollziehen weshalb die AOK heute nochmals mit 1 MRD Euro im Jahr subventioniert werden soll, immerhin hat die AOK sich über den Gesundheitsfonds schon mit etlichen MRD Euro entlastete, weil dieser die Pensionsaltlasten der AOK übernehmen musste.



Hallo Manfred,
dein Kommentar zur Forderung des AOK-BV, die Ausgaben Verstorbener zu annualisieren, ist – gelinde gesagt eine Zumutung -. Es kommt mir vor, als philosophiere hier die Kuh vom Sonntag. Im Ernst: Du scheinst aber auch nicht von der geringsten Sachkenntnis gestreichelt worden zu sein. Die Polemik deines Artikels ist daher völlig unangebracht und reiht sich ein in die interessengeleitete Sprücheklopferei von Kassenvertretern, denen die solidarische Finanzierung des GKV-Systems am Arsch vorbei geht. Zur Sache selbst ist folgendes klarzustellen: Es geht bei der Ausgestaltung des Versichertenklassifikationsmodells für den RSA u.a. darum, die jährlichen Kosten der 80 definierten Krankheiten festzustellen, um hierfür entsprechende Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds auszulösen. Bei Versicherten, die nicht ganzjährig der GKV angehörten (z.B. weil sie aus der PKV gewechselt sind) wird eine Annualisierung der Kosten als selbstverständlich sinnvoll und richtig unterstellt. So werden die Kosten von Versicherten, die z.B. ein halbes Jahr GMV-Mitglied waren, verdoppelt, eine Fiktion, die nur durch Wahrscheinlichkeitsrechnungen untermauert werden kann. Bei Verstorbenen, die ebenfalls nur ein halbes Jahr Mitglied der GKV waren (weil sie z.B.am 30.06. verstorben sind) soll der gleiche Grundsatz nicht gelten.
Wohl gemerkt: Anders als du in deinem Kommtentar darstellst, soll die betroffene Krankenkasse nicht für Zeiten Finanzmittel bekommen, in denen der Versicherte entweder noch nicht bei der
Krankenkasse war (z.B. Wechsler aus der PKV) oder nicht mehr Mitglied war (weil er verstorben ist), sondern es soll bei der Feststellung der Jahreskosten einer Krankheit eine statistische Wahrscheinlichkeit berücksichtigt werden.
Der argumentative Unterschied beider Betrachtungsweisen sollte auch einem GKV-Laien klar werden und die intelektuellen Fähigkeiten nicht überstrapazieren.
In der Hoffnung, ein wenig zur Versachlichung der Diskussion beigetragen zu haben verbleibe ich mit
besten Grüßen
JNiklas
Hallo JNiklas,
deinen deftigen Kommentar möchte ich nicht unbeantwortet lassen, allerdings bemühe ich mich in meinen Artikel schon soweit wie möglich sachlich zu bleiben, wobei mir schon klar ist, dass Sachlichkeit, wie man an deinem Kommentar sehen kann, ein relativer Begriff ist.
Was ich etwas seltsam finde ist die Tatsache, dass du im Grunde die Aussagen meines Artikels bestätigst, obwohl ich deiner Meinung nach:“ nicht von der geringsten Sachkenntnis gestreichelt worden“ bin. Ich denke, dass der Leser es mir großzügig nachsehen wird, wenn ich in diesem Artikel nicht auf alle Einzelheiten des GKV WSG und der Finanzströme im Gesundheitsfonds eingegangen bin. Wobei ich persönlich es schon für einen Unterschied ansehe, ob ein Mitglied die Kasse verlassen hat und somit im System der GKV bleibt (den Wechsel in die PKV können wir entgegen deiner Feststellung, in diesem Zusammenhang wegen der Gesundheitsfragen unberücksichtigt lassen) oder durch Tod aus dem System ausscheidet. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle GKV Versicherten irgendwann zwischen dem 01.01. und dem 31. 12 eines Jahres Sterben liegt nach meiner Einschätzung bei 100%. Ich denke auch, dass die statistische Verteilung des Todeszeitpunktes bei allen Kassen nahezu gleich sein wird. Das bedeutet, dass alle Kassen früher oder später relativ gesehen, in diesem Zusammenhang die gleichen Kosten haben werden. Deshalb ändert dein Argument nichts an der Tatsache, dass AOK Heute auf Kosten der anderen GKV en nochmals zusätzlich Geld aus dem System ziehen will, obwohl die AOK insgesamt der größte Profiteur des Gesundheitsfonds ist. Wenn sie das solidarisch finden, dann muss ich schon mal fragen, um es mit Ihren Worten auszudrücken, wem hier :“ die solidarische Finanzierung des GKV-Systems am Arsch vorbei geht“.
Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich den von der jetzigen Regierung eingeschlagenen Weg der med. Planwirtschaft für falsch halte. Was hat den der Gesundheitsfonds und die Änderungen in der GKV welche in dieser Legislaturperiode eingeführt wurde denn gebracht? Ach ja , die Beiträge habe sich um einiges erhöht, die Kosten, z. B. durch den Gesundheitsfonds ebenfalls, gibt es sonst noch wesentliches hervorzuheben?
In diesem Sinne
Viele Grüße
Manfred
Hallo JNiklas,
Nachtrag zu meiner Antwort über den Gesundheitsfonds, dazu habe ich ein sehr passenden Video bei youtube gefunden der Volker Pispers bringt das Ergebnis des Gesundheitsfonds sehr treffend auf den Punkt.