Private Krankenversicherungen leiden unter Kundenschwund

November 4th, 2009 by Andre | Filed under Gesundheitsreform, Krankenversicherung, Wirtschaft.

Das von Rudi Carrell intonierte „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ dürfte die Stimmung bei den privaten Krankenversicherungen derzeit wohl am besten widerspiegeln. Seit die umstrittene Gesundheitsreform in Kraft getreten ist, warten die PKV auf einen Lichtblick am Ende des Tunnels. Ihnen bleiben die Kunden weg, weil die Hürden noch zu hoch sind, um von der gesetzlichen in die private Versicherung zu wechseln. Das schlägt sich merklich auf die Stimmung nieder.

Ein leichtes Lächeln um die Mundwinkel der Verantwortlichen hat die neue schwarz-gelbe Bundesregierung bereits hervorzaubern können. Die strikte Regel, wonach die gesetzlich vorgeschriebene Einkommensgrenze drei Jahre nacheinander überschritten werden muss, soll gelockert und auf den alten Stand zurückgesetzt werden. Dann reicht es schon, ein Jahr oberhalb der Grenze zu liegen, um sich privat versichern zu dürfen. Bis dahin wird aber noch etwas Zeit vergehen, die den PKV vermutlich wie eine Ewigkeit vorkommen wird.

Manfred Poweleit, Chefredakteur des Branchendienstes Map-Report, spricht von einem „Scherbenhaufen“, den Ulla Schmidt den privaten Krankenversicherungen hinterlassen hat. Ihnen sei schlichtweg das Wasser abgedreht worden. Das macht sich besonders deutlich bei den Kundenzahlen der einzelnen Gesellschaften bemerkbar. Laut Map-Report hat alleine die Allianz seit 2003 mit einem Rückgang von 7,9 Prozent zu kämpfen. Das macht in Zahlen ausgedrückt 62.145 Versicherte weniger. Bei der Signal sank die Zahl der Beitragszahler im gleichen Zeitraum um über 28.000 und bei der DKV um rund 37.000. Auf ein gutes Neukundengeschäft hofft die Branche schon länger nicht mehr.

Ganz unschuldig an der Misere sind die Unternehmen aus Expertensicht allerdings nicht. Für Manfred Poweleit sind viele Tarife, mit denen junge und gesunde Kunden geködert wurden, heute nicht mehr zu bewirtschaften. Sie sorgten vielmehr dafür, dass die Gesamtheit der Versicherten höhere Prämien zahlen muss. Versicherungsspezialist Thomas Koerner rechnet fest damit, dass zum Jahreswechsel kräftig an der Beitragsschraube gedreht wird, zum Nachteil der Kunden. Zwar bestehe die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln und die Altersrückstellung mitzunehmen, doch eine neue Gesundheitsprüfung schrecke viele ab. Ein Fehler, findet Versicherungsmathematiker Peter Schramm. Er rät, auf bestimmte Mehrleistungen zu verzichten und so zu sparen. Das versuchen die PKV auch – das fällt aber schwer, wenn schon die Leistungsausgaben in einem Jahr um 6,7 Prozent steigen.

2 Responses to “Private Krankenversicherungen leiden unter Kundenschwund”

  1. Britt sagt:

    Hallo Manfred,
    in der WIWO las ich, dass die Rückkehr zur Ein-Jahres-Regelung noch zum Jahreswechsel 2009/2010 kommen soll. Ich habe der Redakteurin eine E-Mail geschrieben mit der Bitte um nähere Informationen zu ihrer Quelle. Wissen Sie denn schon Näheres? Ich finde diese Frage sehr wichtig und kann mir vorstellen, dass sie viele betrifft.
    Für ein Feedback schon jetzt besten Dank.
    Viele Grüße, Britt

  2. manfred sagt:

    Hallo Britt,
    da war die WiWO wohl etwas voreilig, die Einjahresregelung soll zwar fallen, das ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben aber es ist für das Jahr 2010 ein Moratorium vereinbart es soll eine Kommission eingesetzt werden. Diese soll die neue Richtung im Gesundheitswesen ausarbeiten.
    Die Änderungen sollen dann ab 2011 umgesetzt werden. Ich vermute, dass auch die 3 Jahresregelung dann zum 01.01.2011 fällt. Was dann kommt ist auch eine Überraschung. Sinn würde heute eine Beratung zur privaten Krankenversicherung machen und bei der Gesellschaft mit den gewünschten Leistungen einen Optionstarif zu vereinbaren. Leider erlebe ich das mit fast gesetzmäßiger Regelmäßigkeit, dass Mandanten die sich zu lange Zeit lassen oder erst später in die PKV wechseln können krank werden und dann nicht mehr versicherbar sind.
    Für eine solche Beratung stehe ich ihnen gerne zur Verfügung.

    Grüße
    Manfred

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