Günter Dibbern, Vorstandschef der Deutschen Krankenversicherung (DKV), sieht nur eine Chance, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen: Er will den Rotstift bei den Ärzten ansetzen. „Man wird mit einer gewissen Regelmäßigkeit Beitragserhöhungen nicht vermeiden können, wenn wir nicht stärkere Instrumente an die Hand bekommen, Einfluss auf die Kosten zu nehmen“, erklärte er im Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“.
Bislang ist es so, dass die Kosten vor allem zulasten der Versicherten umgelegt werden und in höhere Beiträge für die private Krankenversicherung (PKV) münden. Jetzt sei es an der Zeit, dass auch die Ärzte zurücksteckten. Der DKV-Chef kritisiert in erster Linie, dass den PKV für die ambulante Versorgung mehr als das Doppelte in Rechnung gestellt werde wie den gesetzlichen Kassen. Man stehe nach wie vor dazu, für besseren Service auch mehr bezahlen zu wollen. Irgendwo müsse aber eine Grenze gezogen werden. Ziel seien daher Öffnungsklauseln, für die sich die privaten Krankenversicherungen im Rahmen einer Novellierung der Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte stark machen.
Dass die Kosten langsam aber sicher ein Niveau erreichen, das nicht mehr finanziert werden kann, belegen die Prognosen des Schätzerkreises im Gesundheitswesen. Für das kommende Jahr wird ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro für alle gesetzlichen Kassen prognostiziert. Der Bund springt mit 3,9 Milliarden Euro Steuerzuschüssen in die Bresche. Die Differenz muss von den Versicherten gezahlt werden.
Ein Hoffnungsschimmer für die privaten Krankenversicherer ist die Ankündigung von Schwarz-Gelb, die Drei-Jahres-Frist für einen Wechsel in die PKV aufzuheben. Günter Dibbern rechnet angesichts der Verkürzung der Wartezeit mit einem fünfstelligen Mitgliederzuwachs, durch den der Kostendruck ein wenig gemindert werde. Als durchaus vorteilhaft wertet der Chef einer der größten PKV Europas auch den verpflichtenden Pflege-Riester, obwohl damit erneut Kosten für die Bürger anfallen. Unter 15 Euro sollte der Beitrag laut Dibbern allerdings nicht liegen, alleine schon wegen des hohen bürokratischen Aufwands.



