Private Krankenversicherung in der Kritik. Vor steigenden Behandlungskosten sind laut einer Studie des Forschungsinstitutes Iges und des früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup offensichtlich auch privat versicherte Patienten nicht gefeit. Was sich in der Theorie als besserer Schutz darstelle, erweise sich in der Praxis als eher zweifelhaft.
Altersrückstellungen und risikoäquivalente Beiträge wirkten zwar auf dem Papier als Puffer. Fehlender Wettbewerb und stärker steigende Kosten als bei den gesetzlichen Kassen machten die private Krankenversicherung allerdings anfällig für Beitragssteigerungen. Vor allem ältere PKV-Kunden müssten sprunghafte Beitragserhöhungen fürchten, die einen großen Teil des Einkommens aufzehrten.
Erfreut zeigte sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), dessen Vorgänger Michael Glos (CSU) die Studie angeregt hatte, nicht über die Ergebnisse. Sie landeten dort, wo sie vorerst niemand sieht: in seiner Schublade. Gleichzeitig meldete Brüderle Nachbesserungsbedarf gegenüber dem Forschungsinstitut an. Ob sich dadurch etwas an der Einschätzung ändert, ist fraglich.
Der PKV-Verband selbst will sich nicht zu einer unveröffentlichten Studie äußern. Die Vorwürfe seien durchaus bekannt, aber nicht wahr. Damit spielen die privaten Krankenversicherungen auf die Andeutung an, dass vor allem junge Kunden mit günstigen Tarifen gelockt würden. PKV-Sprecher Jens Wegner sagt dazu ganz klar: „Wir haben keine Spezialtarife für Junge.“
Eine solche Behauptung findet sich auch nirgends in der Studie. Kritik gibt es allerdings daran, dass gerade gesunden jüngeren Kunden sehr gute Angebote gemacht und dabei der Spielraum bei der Tarifgestaltung voll ausgenutzt würde. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von „einer Politik der Risikoseparierung“.
Während Jüngere die Tarife nutzen könnten, blieben Ältere außen vor, weil ihnen zum einen Verluste bei der Altersrückstellung und eine neue Risikoprüfung drohten. Da auf diese Weise kein Wettbewerb um Bestandskunden möglich sei, gebe es auch keinen Wettbewerb um bessere Ansätze, mit denen das Demographie-Problem bewältigt werden könne.
Die Demographie ist ein weiterer Knackpunkt. In der Studie wird eine mangelnde Demographiefestigkeit kritisiert. In diesem Punkt räumt der PKV-Verband ein, die Rückstellungen zu gering gehalten zu haben. Doch seit 2000 sei der Kurs korrigiert worden und: „Mit 134 Milliarden Euro Altersrückstellungen tut die PKV auf jeden Fall mehr, um die steigenden Gesundheitskosten in einer alternden Gesellschaft aufzufangen als die gesetzliche Kasse mit ihrer Umlagefinanzierung“, heißt es.
Immerhin in einem Punkt gibt es Einigkeit: Die private Krankenversicherung müsse mehr Möglichkeiten erhalten, aktiv die Ausgabenentwicklung zu steuern. Wie wichtig das wäre, zeigen die Zahlen aus der Zeit von 1997 bis 2008. Während die Leistungsausgaben je Versicherten bei den gesetzlichen Kassen um 31 Prozent gestiegen sind, waren es bei den PKV 49 Prozent. Das spreche nicht für eine bessere Versorgung, so Iges. Vielmehr zeigten sich hier die Auswirkungen der höheren Vergütungen für Ärzte und Kliniken. Aus diesem Grund hält das Forschungsinstitut es für angeraten, das Kartellverbot aufzuheben, damit die PKV sich zusammentun und eigene Verträge abschließen können – ein weiterer Aspekt, bei dem der PKV-Verband nicht nein sagen würde.




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