Das Gesundheitswesen befindet sich im Umbruch. Die Beitragsanpassung in der gesetzlichen Krankenversicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent ab dem kommenden Jahr scheint nur ein erster Schritt zu sein. Angestrebt werden vor allem kassenindividuelle Beiträge und Angebote, die sich – man höre und staune – an den Tarifmodellen der privaten Krankenversicherung (PKV) orientieren. Ins Gespräch gebracht wurden jetzt vom parlamentarischen Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Daniel Bahr (FDP), unter anderem Selbstbeteiligungen und die Kostenerstattung, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen wurden.
Hinter diesen Ideen steht der Wunsch nach mehr Wettbewerb, der für die privaten Krankenversicherungen seit jeher zum Geschäft gehört und sich für Kunden bzw. Interessenten durchaus positiv bemerkbar macht. Diese Prinzipien für die gesetzlichen Kassen zu adaptieren, wird bereits im Herbst in Angriff genommen. Dann soll, so Bahr in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ der Gesetzentwurf vorliegen. Teilweise sind die Ideen bereits mit den sogenannten Wahltarifen umgesetzt worden, die in verschiedenen Varianten angeboten werden vom Tarif mit Selbstbehalt bis hin zum Beitragsrückerstattungstarif.
Interessant sind diese Modelle vor allem für Mitglieder, die nur selten zum Arzt müssen oder lediglich die Vorsorgeleistungen in Anspruch nehmen, die sich nicht auf eine Rückerstattung auswirken. Und selbst wenn eine Behandlung ansteht, zahlen die Kunden mit Wahltarif nicht mehr, sondern erhalten im betreffenden Jahr schlicht keine Prämie. Allerdings haben sie kein Sonderkündigungsrecht, sondern sind drei Jahre an die Krankenkasse gebunden. Wer damit leben kann, sollte sich unverbindlich informieren, welche Optionen bestehen. Dass die Tarife nicht für jeden in Frage kommen, ist ein offenes Geheimnis. Auch die gesetzlichen Krankenkassen selektieren ähnlich den privaten Krankenversicherungen und buhlen hauptsächlich um junge, gesunde Kunden.
Ob sich das System der GKV etwas mehr an das der PKV annähert, indem die Tarife einen Hauch individueller werden und mehr Wahlfreiheit lassen, wird sich zeigen müssen. Kunden der privaten Krankenversicherungen haben es bislang und werden es wohl auch künftig leichter haben bei der Rückerstattung der Beiträge, die prozentual oder gestaffelt erfolgt. Wenn sie die Rechnung vom Arzt selbst bezahlen und der PKV dadurch keine Kosten verursachen, gibt es Geld zurück. Gerade bei kleineren Beträgen verschafft dieses System deutlich mehr Flexibilität.



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