Gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen erinnern im Moment ein wenig an zwei Kinder, die darüber streiten, wen der Papa – in diesem Fall Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) – lieber hat. Dass dabei immer wieder das Thema Finanzen auf den Tisch kommt, ist nur zu verständlich. Keiner möchte zu kurz kommen. So rechnet jeder vor, was passiert, wenn dem anderen mehr Rechte eingeräumt oder Zugeständnisse gemacht werden. Die jüngste Zahl, die von den GKV ins Spiel gebracht wurde, lautet auf eine Milliarde Euro, berichtet die „Berliner Zeitung“.
Prognosen und Befürchtungen der Krankenkassen zufolge bringt die Reform mit all ihren Facetten der privaten Krankenversicherung Mehreinnahmen in Höhe von rund einer Milliarde Euro, die auf der eigenen Seite ein weiteres Loch reißen. Der Wert setzt sich aus drei Hochrechnungen zu einzelnen Vorhaben der Regierung zusammen. Mit 500 Millionen Euro steht der Wegfall der Dreijahresfrist ganz oben auf der Liste. Die GKV rechnen mit einem schwunghaften Wechsel besser verdienender Mitglieder Richtung private Krankenversicherung, sobald die Versicherungspflichtgrenze nur noch einmal überschritten werden muss und zudem noch heruntergesetzt wird. Laut Verband der Ersatzkassen dürfte alleine diese Entscheidung den PKV 80.000 neue Kunden bescheren, die bislang freiwillig krankenversichert sind.
Punkt zwei auf der Liste ist das Vorhaben, den gesetzlichen Krankenkassen die Option der Wahltarife und Zusatzleistungen zu streichen. Derlei private Zusatzpolicen sollen künftig ausschließlich den privaten Krankenversicherern vorbehalten sein, ob nun Einbettzimmer, die Chefarztbehandlung oder die äußerst beliebte Zahnzusatzversicherung. Dieser Schritt spüle 250 Millionen Euro in die Kassen der PKV. Eine weitere Viertelmilliarde bringe der Vorschlag, von den Rabattverhandlungen der GKV profitieren zu dürfen und demnächst für neue Medikamente die gleichen Preise zahlen zu müssen. Zumindest aus diesem (möglichen) Part der Gesundheitsreform wird kein allzu dicker Strick gedreht.
Ansonsten sehen sich die gesetzlichen Krankenkassen durch die Bevorzugung der privaten Krankenversicherung klar im Nachteil und werden darin von einigen Experten bestätigt. Sie fürchten ein Ausbluten der gesetzlichen Gesundheitsversorgung. Angesichts der angespannten Finanzlage würden die Kassen gezwungen, das Leistungsspektrum weiter einzuschränken, wodurch Patienten privat vorsorgen müssten. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sieht die gesetzlichen Krankenkassen hingegen auf einem guten Weg. Die meisten GKV würden im kommenden Jahr ohne Zusatzbeiträge auskommen, weil man das erwartete Defizit von elf Milliarden Euro ausgleichen könne. Vertrauen weckte Rösler damit nicht bei den GKV.



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