Finanztest warnt vor Lockangeboten für private Krankenversicherungen

An dieser Stelle ist schon oft darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Wechsel in eine private Krankenversicherung nicht ohne vorherige Beratung erfolgen sollte. Die Tariflandschaft ist so hügelig und voller Schlaglöcher, dass Interessenten schneller auf dem Hosenboden sitzen oder auf die Nase fallen, als ihnen lieb sein kann. Jetzt warnt auch die Zeitschrift „Finanztest“ vor den PKV-Billigtarifen. Sie haben dank Gesundheitsreform und dem leichteren Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung Hochkonjunktur – aber nur wenig mit dem zu tun, was gemeinhin von einer PKV erwartet wird.

Dass potenzielle neue Kunden über den Preis umworben werden, ist im Versicherungswesen inzwischen gängige Praxis. Bestes Beispiel ist die Kfz-Versicherung. In dieser Sparte wurde in den vergangenen Jahren auf Biegen und Brechen an den Prämien gefeilt. Inzwischen steht die Leistung wieder mehr im Vordergrund. Genau darauf sollte auch bei der privaten Krankenversicherung geachtet werden. Ein Vergleich, wie ihn Finanztest vorgenommen hat, offenbart gnadenlos die Schwächen der Lockangebote. Ganz zu schweigen von den langfristigen Nachteilen, wie zum Beispiel extrem hohen Kosten im Alter, die für Laien kaum abzuschätzen sind.

Grundsätzlich gilt: Wenn in die private Krankenversicherung gewechselt wird, sollte das Leistungsspektrum zumindest dem der gesetzlichen Krankenkasse entsprechen. Sonst würde der Status des Privatpatienten wenig Sinn machen. Welche zusätzlichen Leistungen wie das Einzelzimmer oder die Chefarztbehandlung nötig sind, kann im Gespräch mit einem versierten Berater geklärt werden.

Das Problem bei den Lockangeboten sind die vielen Abstriche. Dazu ein Beispiel: Die Patienten müssen in einigen Tarifen erst zum Hausarzt, der im Vertrag genannt wird – die freie Arztwahl ist damit passé. Wer sofort zum Facharzt geht, muss bis zu 25 Prozent der Rechnung aus eigener Tasche zahlen. Hinzu kommen je nach Tarif unterschiedlich markante Einschränkungen. Teilweise werden die Honorare der Ärzte nur bis zu einer gewissen Obergrenze übernommen. Rechnet der Arzt mit dem 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung ab und übernimmt die PKV maximal den 1,8-fachen Satz, wird es teuer. Darüber hinaus gelten bei vielen der von Finanztest untersuchten Billig-Tarife vergleichsweise hohe Selbstbehalte.

Die erhoffte Ersparnis, weil die Prämie so schön günstig scheint, macht das Sparschwein dann nicht dicker, sondern belastet das Budget, weil an anderer Stelle draufgezahlt werden muss. Dann lieber etwas Zeit investieren und Punkt für Punkt klären, was die beste Lösung ist.

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