DKV-Chef moniert unseriöse Vertriebsmethoden

Dr. Clemens Muth ist Chef von Europas größter privater Krankenversicherung, der Deutschen Krankenversicherung AG (DKV). Im Interview mit der Zeit redete der Manager Tacheles über unzufriedene Kunden, zu hohe Provisionen und die Bürgerversicherung.

Die Unzufriedenheit der privat Versicherten – laut Infratest-Studie würden sich zehn Prozent kein zweites Mal für die PKV entscheiden – begründet Dr. Muth mit den Beitragssteigerungen. Bei der DKV betrugen sie etwa 5,8 Prozent. Anlass für diesen Schritt, den nahezu alle privaten Krankenversicherungen vollzogen haben, seien die stetig steigenden Leistungsausgaben, unter denen auch die gesetzlichen Kassen litten. Diese Entwicklung basiere auf dem medizinischen Fortschritt. Zudem seien Leistungserbringer wie Ärzte und Kliniken darauf erpicht, so viel wie möglich aus den Privatpatienten herauszuholen.

Den Hinweis, dass auch überhöhte Provisionen für die Vermittlung neuer Kunden zur Kostenexplosion beitragen, streitet Dr. Clemens Muth nicht ab. „Es ist richtig, dass Vermittler für gute Beratung angemessen vergütet werden. Aber die Provisionen müssen sich im Rahmen halten“, erklärte er im Gespräch. Aus seiner Sicht ist die Entscheidung, die Provisionen auf maximal zwölf Monatsbeiträge zu deckeln, „absolut richtig“.

Darüber hinaus würde der DKV-Manager auch eine verlängerte Stornohaftung begrüßen, um zu verhindern, dass Makler zwei Mal kassieren: beim Abschluss und später, wenn sie einen Wechsel zu einer anderen PKV empfehlen. Dieser forcierte Wechsel gefährde das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung. Um Missverständnisse, Probleme und möglicherweise auch Ärger zu vermeiden, hält es Dr. Clemens Muth daher für unabdingbar, neuen Kunden von Anfang zu sagen „wie das System funktioniert und was an Beitragssteigerungen auf sie zukommt“.

Unverständnis äußert er darüber, dass die gesetzlichen Kassen Wahltarife anbieten dürfen. Es müsse weiterhin Unterschiede zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung geben. Dementsprechend kritisch sieht der DKV-Chef die Idee der Bürgerversicherung. Hier seien noch zu viele Fragen ungeklärt. Sicher sei nur, dass das Konzept „unsere Kinder und Enkel“ belaste. „Die Anhänger der Bürgerversicherung sprechen immer von Nachhaltigkeit, aber nachhaltig ist die Bürgerversicherung nun wirklich nicht“, so Dr. Muth. Er bezeichnet das Konzept als „nicht sehr schlüssig“.

Speak Your Mind

*