Wenn zwei Studien zum selben Thema völlig unterschiedliche Ergebnisse zutage fördern, darf man sich auf einen Schaukampf gefasst machen. Im Ring gegenüber stehen sich dieses Mal das Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und die Deutsche Aktuar Vereinigung (DAV). Beide haben sich mit den Beitragssteigerungen im Gesundheitswesen befasst und versucht, die Entwicklung für die gesetzliche und die private Krankenversicherung zu beziffern.
Das IGES kam dabei auf ein relativ klares Ergebnis zugunsten der gesetzlichen Kassen (GKV). Während die Beiträge für die private Krankenversicherung (PKV) in der Zeit von 1997 bis 2008 um jährlich rund 3,9 Prozent gestiegen seien, hätten die Mitglieder der GKV mit 2,4 Prozent vergleichsweise wenig berappen müssen. So weit so gut – bis die Deutsche Aktuar Vereinigung ihre Daten vorlegte. Sie spiegeln ein weitgehend ausgeglichenes Verhältnis wider. Für die private Vollversicherung kommt die DAV auf einen Wert von 3,3 Prozent. Die gesetzlichen Kassen liegen mit 3,1 Prozent nur knapp darunter.
Wie lassen sich solch enormen Spannen begründen? Die DAV ist diesbezüglich gleich in die Offensive gegangen und hat die Schwächen der IGES-Studie aufgezählt. Schwerpunktmäßig geht es dabei um das Datenmaterial, das in die Berechnung eingeflossen ist. Die Aktuare kritisieren zum Beispiel, dass die Praxisgebühr vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung völlig außen vor gelassen wurde, ebenso die durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz bedingte Leistungskürzung. Darüber hinaus sei auch der gesetzliche Zuschlag, den die privaten Krankenversicherungen seit 2000 zahlen müssen, unberücksichtigt geblieben.
Die Diskussion beweist, dass es keine leichte Aufgabe ist, für beide Systeme eine Basis zu finden, die einen Vergleich der Kostenentwicklung möglich macht. Dafür sind zu viele Faktoren beteiligt, die dann auch noch unterschiedlich gewichtet werden müssten. Sicher ist nur: Die medizinische Inflation, also die Teuerungsrate im Gesundheitswesen, liegt deutlich über der allgemeinen Inflationsrate. Für Verbraucher heißt das schlichtweg, sie müssen Jahr für Jahr tiefer in die Tasche greifen. Dazu hätte es dann nicht einmal einer Studie bedurft. Dazu reicht den meisten Bürgern ein Blick ins Portemonnaie.



Letzte Kommentare