Kaum ein Thema erhitzt derzeit mehr die Gemüter als die geplante Reform der Praxisgebühr. Bislang zahlen gesetzlich Versicherte je Quartal zehn Euro, wenn sie zum Arzt, Zahnarzt oder zum Psychotherapeuten gehen. Künftig soll jeder Arztbesuch mit mindestens fünf Euro zu Buche schlagen. Im Gespräch sind teilweise sogar zehn Euro. Dass ein solcher Vorschlag, der ans ohnehin strapazierte Portemonnaie der Versicherten geht, für Empörung sorgen würde, war abzusehen. Doch es gibt durchaus auch Befürworter einer neuen Praxisgebühr.
2004 fing alles an. Damals mussten Arzthelferinnen erstmals 10,00 Euro von den Patienten kassieren. Ziel war es, Versicherte davon abzuhalten, wegen jeder Kleinigkeit gleich zum Doktor zu rennen. Das hat in den ersten Quartalen nach Einführung der Praxisgebühr auch sehr gut funktioniert. Es wurde etwas ruhiger in den Wartezimmern. Doch schon nach zwölf Monaten hatte man sich an die zusätzliche Ausgabe gewöhnt und ging wie gewohnt zum Arzt. Irgendwie war die Gebühr dann doch nicht so schlimm, wie alle gedacht hatten. Die Krankenkassen freut es. Sie kassieren jährlich rund 2,5 Milliarden Euro.
In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung heißt es nun: „Das Zehn-Euro-Experiment ist komplett fehlgeschlagen und gehört schnellsten abgeschafft.“ Ganz so leicht ist dann aber doch nicht. Statt die Praxisgebühr zu streichen, wird laut über eine Reform nachgedacht. Der Grund: Dem aktuellen System fehlt die steuernde Funktion. Interessanterweise kommt der Anstoß nicht von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). In einem Statement heißt es: „Überlegungen, die Praxisgebühr pro Arztbesuch zu erheben, stammen nicht aus dem Bundesgesundheitsministerium. Die Koalition hat über dieses Thema noch nicht beraten.“
Da die Büchse der Pandora nun einmal geöffnet wurde, wird heftig diskutiert. Der Sozialverband Deutschland lehnt jede Praxisgebühr ab, weil chronisch kranke, behinderte und ältere Menschen benachteiligt werden. Auch die Bundesärztekammer und andere Mediziner-Verbände sehen keinen Sinn in der Gebühr. Sie habe lediglich zu mehr Bürokratie geführt. Ähnlich argumentiert die Barmer GEK. Sie spricht sich dafür aus, die Gesamtstruktur der ärztlichen Vergütung auf den Prüfstand zu stellen. Anders die Techniker Krankenkasse. Sie sieht den Vorteil, dass so zumindest Geld ins Gesundheitssystem fließt. Was nun passiert, bleibt abzuwarten.



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