144 Beschwerden über Beitrags- und Wechselprobleme bei der privaten Krankenversicherung haben den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) vorige Woche zur These veranlasst, die PKV sei auf Dauer nicht überlebensfähig. Mehr noch: „Sie wird sich selbst abschaffen“, so die Einschätzung von vzbv-Vorstand Gerd Billen.
Besonders bitter stoßen den Verbraucherschützer die Beitragssteigerungen auf. Als schwarzes Schaf – zumindest mit Blick auf die ausgewerteten Beschwerden – erwies sich dabei die Central mit einem Höchstwert von 60 und einem Durchschnittswert von 28,4 Prozent. Nicht viel besser ist es um die Gothaer mit 45 und 26,4 Prozent bestellt. Gerd Billen spricht von „eklatanten Fällen“ und fordert die Politik, endlich zu handeln. Das Tarifwirrwarr müsse untersucht und eine kundenfreundliche Reform auf den Weg gebracht werden. Das gelte umso mehr für die Möglichkeit, in günstigere Tarife zu wechseln. Besonderes Augenmerk sollte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) dabei auf die geschlossenen Tarife richten, in die keine jüngeren Kunden mehr nachrücken können.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen ist sich durchaus bewusst, dass die 144 Beschwerden keineswegs repräsentativ sind. Sie vermittelten aber den Eindruck eins „systematischen Charakters“ der Probleme in Bezug auf die Beiträge und die Wechselmöglichkeiten. Für den Verband der privaten Krankenversicherungen hat die Untersuchung hingegen keine Aussagekraft: „Dass die Verbraucherzentrale aus bundesweit 144 Beschwerden bei insgesamt neun Millionen Privatvollversicherten allen Ernstes Schlussfolgerungen über angebliche Systemfehler der PKV ziehen will, ist schlicht unseriös.“ Die Beiträge seien laut Branchenbeobachtern im Schnitt um lediglich zwei bis drei Prozent angehoben worden und 45 Prozent aller Tarife unverändert geblieben.
Das ändert nichts an der Einschätzung von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Sie hält die Beitragssteigerungen teilweise für „irrwitzig“. Die Linke geht noch einen Schritt weiter: „Die PKV ist nicht reformierbar. Sie muss abgeschafft werden und mit ihr die Zwei-Klassen-Medizin.“ Dass die Probleme zum Teil hausgemacht sind, wissen die privaten Krankenversicherungen. Sie haben mit großem finanziellem Aufwand Kunden in die Einsteigertarife gelotst, um dann auf die Nase zu fallen. Inzwischen wurde die Provision zwar gedeckelt. Dieser Schritt reicht aus Sicht der Verbraucherschützer aber nicht aus. Da muss schon mehr passieren, um die Wogen zu glätten.



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