Die privaten Krankenversicherungen stehen bereits im Rampenlicht, Stichwort Beitragsanpassungen. Jetzt wollen die Bundesländer zusätzlich die Lupe auspacken und noch genauer hinsehen. Anlass für die eingehende Untersuchung der PKV ist eine Studie der Frankfurter Beratungsfirma PremiumCircle und des Kieler Gesundheitsökonomen Thomas Drabinski. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten PKV-Tarife – über 80 Prozent – deutlich weniger Leistung bieten als die gesetzlichen Krankenkassen.
Für den Vergleich der beiden Systeme wurden 85 Leistungen zugrunde gelegt, die fest in der gesetzlichen Krankenversicherung verankert sind. Von den 208 untersuchten PKV-Tarifen, die mit insgesamt 1.567 Kombinationsmöglichkeiten aufwarten, erfüllte kein einziger alle 85 Kriterien. Teilweise wurden nur 50 Prozent erreicht. Das führe zu „teils existenziellen Leistungsausschlüssen im Krankheitsfall“, heißt es in der Studie. Den Grund dafür sieht PremiumCircle-Chef Claus-Dieter Gorr darin, dass die Tarife sich nicht am Kunden, sondern am Preis orientieren, um im PKV-Vergleich möglichst weit vorne zu stehen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, fordert daher: „Die Branche sollte sich auf einen Mindestversicherungsschutz einigen.“
Konsequenzen wird die Studie auf jeden Fall haben, wenngleich die Methodik des Vergleichs von einigen Gesundheitsexperten kritisiert wird. Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Andreas Storm (CDU), kündigte gegenüber der „Ärzte Zeitung“ an: „Die Vorwürfe sind gravierend. Jetzt muss geprüft werden, ob sie auch stichhaltig sind.“ Der Sachverständigenrat soll nun mit einem Sondergutachten beauftragt werden. Ziel ist eine fundierte Diagnose des Gesundheitssystems, wobei der Fokus bei den PKV vor allem auf die Transparenz, die Qualität und die Kostenentwicklung gelegt werden soll.
Der Verband der PKV wartete nicht lange mit einer Stellungnahme. Direktor Dr. Volker Leienbach betonte dabei vor allem die Wahlfreiheit. Hier sei der Kunde gefragt. Er müsse von sich aus darauf achten, welche Leistungen der gewünschte Tarif umfasst. Gleichwohl räumen die privaten Krankenversicherungen ein, dass eine gute Beratung diesbezüglich unerlässlich ist. Dabei sollte dann nicht nur auf die Prämie, sondern vor allem auf die Leistung und darauf geachtet werden, dass der Tarif auch tatsächlich zur Person passt.



Letzte Kommentare