Der Pflege-Bahr muss nachgebessert werden

Der Pflege-Bahr, die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung, kann kommen, muss an einigen Stellen aber noch ausgebessert werden – zumindest aus Sicht der privaten Krankenversicherungen. Der Vorsitzende des PKV-Verbandes, Reinhold Schulte, hält die Entscheidung, „die Bürger beim Aufbau einer zusätzlichen Pflegevorsorge zu unterstützen“, für die richtige Weichenstellung. Die PKV seien zur tatkräftigen Mitwirkung bereit und würden bereits prüfen, „welche preislich attraktiven Produkte im Rahmen der geplanten Förderkriterien möglich sind“.

Aktuell ist vorgesehen, dass die Policen mit fünf Euro pro Person und Monat gefördert werden. Zudem gibt es eine fünfjährige Wartezeit und ist es den Unternehmen untersagt, Antragsteller aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen im Regen stehen zu lassen. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass sich die Risiken gleichmäßig auf die Unternehmen verteilen, spricht sich PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach für einen Pflegepool aus. So schaffe man einen Ausgleich und sei auch für „Hochrisikofälle“ bestens gerüstet.

Den Förderbetrag von fünf Euro monatlich erachtet Dr. Leienbach als Minimum. Anderenfalls sei das Produkt nicht attraktiv genug, um auch gesunde Kunden anzusprechen. Gleichwohl wissen die privaten Krankenversicherungen um die „Notwendigkeit einer nachhaltigen Konsolidierung der Staatsfinanzen“. Daher sei es jetzt umso wichtiger, praktikable Rahmenbedingungen zu schaffen. Dass dies gelingt, davon ist die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) überzeugt – vorausgesetzt, das Problem der Antiselektion werde in den Griff bekommen.

Der Bund der Versicherten (BdV) kann die Euphorie nicht so recht nachvollziehen und mahnt: Beim Pflege-Bahr würden die gleichen Fehler gemacht wie einst bei der Riester-Rente. „Die überbordende Bürokratie für Kleinstbeträge vernichtet jede Möglichkeit einer effizienten Vertragsführung“, sagt der BdV-Vorstandsvorsitzende und Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein. Er hält es für unmöglich, dass bezahlbare Tarife realisiert werden. In der Folge würden Gesunde sich für die günstigeren, nicht geförderten Verträge entscheiden und Personen mit Risiken den Pflege-Bahr abschließen. Das Ergebnis wäre ein „versicherungsmathematischer Super-GAU“.

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