Wird hierzulande über das Gesundheitswesen diskutiert, steht der monetäre Aspekt stets im Mittelpunkt. Das lässt sich insbesondere an den Meldungen der vergangenen Wochen und Monate ablesen: Den privaten Krankenversicherungen wird vorgeworfen, zu teuer zu sein und zu wenig Leistung zu bringen. Die gesetzlichen Krankenkassen wiederum horten Milliarden. Doch die Medizin beschränkt sich nicht nur aufs Geld. Diesen Umstand hat jüngst der Euro Health Consumer Index (EHCI) wieder in Erinnerung gerufen und deutlich gemacht, dass das deutsche Gesundheitswesen auch an anderen Stellen kränkelt.
Lag die Bundesrepublik bislang auf Platz sechs von insgesamt 34 Nationen, die das schwedische Untersuchungsgremium „Heatlh Consumer Powerhouse“ unter die Lupe genommen hat, rutschte sie jetzt auf Platz 14. Damit steht sie auf der gleichen Stufe wie Tschechien und Irland. Professor Dr. Ulrich Keil von der Universität Münster, der als Berater an der Studie beteiligt war, sieht derzeit zwar keinen Anlass, das Ergebnis überzubewerten. Gleichwohl machte er deutlich: „Aber in einem so teuren Gesundheitssystem wie dem deutschen ist ein Abschneiden im Mittelfeld doch sehr enttäuschend.“
Gründe für diese erdrutschartige Abwertung gibt es viele. Professor Dr. Keil nennt hier vor allem das schlechte Abschneiden bei den Krankenhausinfektionen. Der Experte mahnt angesichts von 30.000 Menschen, die Jahr für Jahr an solchen Infektionen sterben, sich mehr um die Krankenhaushygiene zu bemühen.
Auch beim Thema Antibiotika liege einiges im Argen. „In Deutschland wussten weniger Menschen als in vielen anderen Ländern Europas darüber Bescheid, dass Antibiotika nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren wirksam sind“, so Professor Keil. Das führe schlimmstenfalls dazu, dass die Mittel zu leichtfertig verschrieben und eingenommen werden. Die Niederlande, die auf Platz eins der europäischen Gesundheitssysteme steht, seien diesbezüglich weitaus zurückhaltender.
Weitere Aspekte, an denen der Experte Kritik übt: die Dialysebehandlung, die Zahl der Kaiserschnitte und die Rauch-Prävention. In Skandinavien würde deutlich öfter die Heimdialyse gewählt. Sie sei für den Patienten schonender und günstiger. „Da bekommt man leider den Verdacht, dass der Faktor Einnahmen für das Krankenhaus bei der Behandlung in Deutschland eine große Rolle spielt“, so Dr. Keil. Gleiches gelte für die überdurchschnittlich hohe Zahl an Kaiserschnitten, an denen Kliniken mehr verdienten als an normalen Geburten. Nachholbedarf bestehe zudem in puncto Prävention beim Thema Rauchen. Während hierzulande 30 Prozent der Erwachsenen am Glimmstängel hängen, seien es in Schweden nur zehn Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen.



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